Ich gehe…
ich gehe durch den Wald.
Laub, unter den Füßen,
Pflanzen, die sprießen,
12.000 Jahre ist er alt.
Kommt mit, lasst es uns genießen.
Morgens sah ich aus
meinem Baumhausfenster hinaus.
Vögel auf dem Ast, nach Futter suchen,
ein Reh auf dem Weg,
kam Oaktown besuchen.
Oaktown.
Sieht nicht mehr so aus, wie es früher einst war.
War früher mal da.
Ich erinnere mich noch, wo der Tower war,
in dem ich übernachtet hab
und an den Tag
als davon nur noch Splitter, Müll, Scherben am
Boden liegen sah.
Zwei, drei Nächte in Llorien,
auf Baustelle, klein und hoch,
fühlte mich geborgen.
Und Pancakes am Morgen.
Dort ist nun ein Loch.
Als hätte man ihm einen Zahn gezogen.
In Hazelnut trage ich gute Erinnerung.
Schlafen mit dreckigen Füßen,
den Morgen mit Musik begrüßen.
Eichhörnchen auf dem Dach
machten mich wach.
Essen, Lieder, Geschichten teilen.
Am Lagerfeuer verweilen.
Aber auch Angst. Fallen beim Sturm die Bäume um.
Die Grube ist nicht weit.
Das Wasser wird abgepumpt,
Lebensraum geraubt.
Die Luft ist nicht gesund.
Da ist es nur eine Frage der Zeit
und zur Sicherheit
werden Baumhäuser abgebaut.
Zur Gedenkstätte ist es auch nicht weit.
Mache kurz halt,
richte die Bilder und Kerzen,
verstreut im Laub,
Erinnerungen, Worte, ein ferner Traum.
Und in Oaktown wird gebaut.
Dort, wo die Hängebrücken
die Bäume schmücken
wächst ein neuer Tower heran,
in dem Mensch bald übernachten kann.
Und Menschen bringen Spenden, Essen, Worte vorbei.
Die Zeit der Braunkohle sei vorbei,
sagen sie, und können die Zerstörung nicht verstehen.
Sehen,
auf Rädern, die Barrios an,
ehe sie einen Abstecher zur Gruppe machen
und selbst an der Kante stehen.
Ein braunes Loch, das sich vom Horizont zu
Horizont erstreckt
und bei vielen Entsetzen weckt.
Ich gehe…
gehe durch ein paar Häuser,
ein Dorf, fast verlassen. Einst voller Leben war.
Wie so viele, die jedes Jahres,
für die Erde,
auf der sie stehen
zerstört werden.
Anwohner:innen müssen gehen.
Hinterlassen Träume, Erinnerungen,
Kindheit, Jugend,
zwangsgeräumt ziehen sie um.
Ein verlassener Garten
Häuser werden eingerissen
der schöne Sportplatz umgegraben.
Wird jemand dieses alte Leben vermissen?
Ich gehe…
durch ein anderes Dorf, bekannter Name.
Wo einige Bäume Baumhäuser tragen.
Wo junges Leben entsteht.
Wo man zwischen Bannern
spazieren geht.
Wo Menschen kochen, reden,
zusammenstehen,
über Grenzen gehen,
bauen neues Leben,
alles geben
für das kämpfen, was sie lieben.
Eine andere Gemeinschaft, die neu entsteht,
die hier zusammen lebt,
die diskutiert, und kocht und schläft
und neue Hoffnung säht,
während der Kohlebagger keine 50 Meter
daneben steht.
Ich gehe…
den langen Weg der Straße entlang,
zehntausende, die gekommen sind,
trotz Regen, trotz Kälte, Sturm und Wind,
mit Rucksack, Schild, mit Freundin, mit Kind,
folgen sie der Straße und dann
übers Feld, durch Matsch und Schlamm
an der Abbruchkante entlang,
manche bleiben erstaunt stehen,
während sie das erste Mal einen Kohlebagger
sehen,
kaum einen Steinwurf weit steht da
unter uns der Bagger mit riesigem Schaufelrad.
Andere, die schon weiter gehen,
rutschen aus, helfen sich auf,
auf Hügel hinauf.
Rufen: Auf nach Lützerath, auf nach Lützerath.
Doch die Polizei steht im Weg.
Schwarze Beamten mit Schlagstock und Schild
zerstören das Bild,
treiben Aktivistis hin und her,
ausgerutscht, in den Schlamm geschubst,
laufen ist schwer.
Und dort im Matsch liegt mein Schild
mit einem Bild,
hab den Satz der Scientists abgeschrieben,
über den Zweifel an der Notwendigkeit,
und der Frage nach der Wirtschaftlichkeit,
der Zerstörung in dieser Zeit.
Das Schild ist im Dreck liegen geblieben.
Halte noch meine Mütze fest,
werde geschubst, lande im Schlamm,
finde eine Hand,
hält mich fest, die mich nicht loslässt
und dann
kommt schon die Polizei auf uns zugerannt.
Ich gehe…
Ich gehe an
großen Gebäuden entlang.
Viele Menschen, die Shouts rufen.
Haben Schilder gemacht,
Fahnen mitgebracht,
die Schlange ist lang
von Menschen, die Klimagerechtigkeit suchen.
Vor dem Kanzleramt
entlang.
Der Platz vor dem Reichstag mit Menschen
überschwemmt,
ein Meer, das keine Grenzen kennt
und Probleme benennt.
Eine Demo, ein Streik
für Klimagerechtigkeit
denn die Zeit
ist vorbei.
Und die Erde brennt.
Und das Kanzleramt? Es schweigt.
In Frankfurt blicken die Türme auf
uns runter, machen uns klein.
Unsere Rufe dringen nicht in die Büros hinein.
Wollen uns nicht hören,
sind Ameisen, die Goliath bei der Arbeit stören.
Sind viel zu klein.
Ja, Ameisen mögen wir sein,
doch wir sind nicht allein.
Und wenn ihr uns weiter ignoriert
dringen wir in eure Büros und euer Leben
hinein.
Das stört,
damit ihr uns endlich hört.
So müssen wir sein,
denn es ist unser Recht,
unser Leben,
für das wir kämpfen
und auf die Straße gehen.
Auf die Straße uns kleben.
Nein, nicht nur unser Leben,
Tiere, die schon jetzt die Konsequenzen spüren,
Menschen leiden unter der Dürre
verlieren ihre Heimat, sie wird überschwemmt,
Namen, die hier niemand kennt.
Die wir ignorieren,
weil sie uns nicht interessieren.
Die nächste Generation
bekommt einen Planeten geschenkt
der Brennt.
Ich stehe
auf.
Blicke noch einmal um,
springe vom Wall hinunter,
drehe mich nicht mehr um,
klettere die Böschung runter,
an den gelben X vorbei
in den Wald hinein.
Bleibe nicht stehen,
weitergehen,
gehe, renne,
nicht aufgeben.
Mich trauen.
Fort von der Grube und in das Leben,
in den Wald hinein,
ein Baumhaus bauen.
Wenn nicht wir, wann dann?
Also fange ich schon bei mir an.
Bleibe im Wald stehen,
mich umzusehen
und pflanze einen Eichensamen ein.
Auf das er als Leben, als Symbol wachsen kann.