Berlin

Date: 2026-06-16

Category: uncategorized

Keywords: FIXME

Wieder mal Polizeieinsatz,
ich saß in der Bahn,
hatte mich verfahr’n
und nahm erschöpft im Vierer Platz.

Und dann
lächelte sie mich an.
Als hätt sie mich gekannt,
Demoschild in der Hand!
Fuhr sich durchs rote Haar,
so frei und unnahbar.

Hörte sie fragen:
Magst Brötchen von Foodsharing haben?
Ich frage dich,
wie könnte ich,
dazu nur Nein sagen?

Unterhielten uns dann
sechs Stationen lang.
Über Gott und die Welt
was im Leben so zählt
von Merz bis Senat,
von Greenpeace bis Frag den Staat,
hielt fast ihre Hand
bis sie schließlich aufstand:
“Die nächste steig ich aus -
ich muss dringend nach Haus.
Das Gespräch war sehr schön
werden wir uns wiedersehen?”

Doch Berlin, oh Berlin, es trennt uns,
als würde die Mauer noch stehen.
Oh Berlin, du grausame Stadt.
Habe sie nie wieder gesehen.

Ich sagte: “Jederzeit,
ich bin gerne bereit
komm vorbei, dich besuchen,
zum Spazieren gehen.
Holen uns Kaffee und Kuchen
irgendwo in Berlin.

Lade dich abends noch ein
und bringe dich heim
in dein
Berliner Altbauheim.”

Und hab geträumt und gedacht,
wie schön wäre die Nacht?
Du ziehst dich noch um
in der Ein-Zimmer-Wohnung
und wir kuscheln so nett
in deinem kleinen Hochbett?

Doch Berlin, oh Berlin, es trennt uns,
als würde die Mauer noch stehen.
Oh Berlin, du grausame Stadt.
Habe sie nie wieder gesehen.

Die Türen beginnen zu tuten
eine Träne ihre Wange runter rinnt.
Sie muss zum Ausgang sich sputen
und sagt noch, sie sei Spandauerin.

Sie wohne so weit im Westen,
wohin keine Bahn mich je bringt.
Mein Herz schmerzt, mein Blick hält fest denn,
ich weiß, dass sie gleich
in der U7 versinkt.

Und ich steig in die S75,
nach Lichtenberg ist’s noch weit.
Versinke in Träumen und Liedern
voll Liebe und Ungerechtigkeit.

Denn Berlin, oh Berlin, es trennt uns,
als würde die Mauer noch stehen.
Oh Berlin, du grausame Stadt.
Habe sie nie wieder gesehen.